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Das Dilemma der Religionen
Zu den Religionen:
Das Dilemma der Religionsvertreter ist, daß sie keine Integration der Religionsgemeinschaften vorantreiben können, ohne ihre eigenen Fundamente zu untergraben. Staaten tun sich da zumindest in der Theorie einfach, geographische Grenzen können verschoben, Gesetze umgeschrieben werden. Die Umdeutungsmöglichkeit von Religionen ist begrenzt, die Bezugspunkte Schrift und Kult sind festgelegt. Diese Homogenität hält eine Religion aufrecht, macht sie zum Anker in unserem Leben-und hat ihren Preis. Ich erinnere mich gut an eine Konferenz, bei der ein führender Vertreter der evangelischen Landeskirche über seine Biographie berichtete: Nach katholischer Taufe, Ministrantendienst folgte in den rebellischen Jahren der Kirchenaustritt, nach über 10 Jahren der Wiedereintritt, diesmal in eine neue Konfession. Dies alles ist heute innerhalb der christlichen Kirchen akzeptiert, und in 20 Jahren vielleicht auch zwischen den Weltreligionen. Was wird kommen, eine Entsäkularisierung der Hagia Sophia und die Einrichtung einer jeweils christlichen, muslimischen, jüdischen...Abteilung innerhalb des multireligiösen Gotteshauses? Selbst wenn diese Utopie wirklichkeit wäre, was wäre die Folge innerhalb der einzelnen Religionsgemeinschaften. Innerhalb meiner, der katholischen Kirche sicherlich eine Zerreißprobe, ein Erstarken der marianischen Bewegungen. Der Prozeß einer Liberalisierung der Kirche ist ebenso dialektisch zu betrachten wie der Prozess der Aufklärung. Ein nach vorne gedachter Schritt kann (Pessimisten und Historisten sagen muss) letztendlich zum Rückschritt werden. Das 2. VK ist ein gutes Beispiel dafür, daß eine kluge und maßvolle Öffnung gelingen kann. Die Restauration ins "Vorkonziliare" hat allen Unkenrufen zum Trotz nicht stattgefunden. Ich bin der tiefen Überzeugung, daß sich "Papst und Professor" Benedikt dieser Mechanismen sehr bewußt ist und im Herzen weltoffener ist,als er sich von den Medien präsentieren lässt.
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