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Alt 16.01.2009, 16:17   #1
aphilia - bachelor
 
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Das Dilemma der Religionen

Zu den Religionen:

Das Dilemma der Religionsvertreter ist, daß sie keine Integration der Religionsgemeinschaften vorantreiben können, ohne ihre eigenen Fundamente zu untergraben. Staaten tun sich da zumindest in der Theorie einfach, geographische Grenzen können verschoben, Gesetze umgeschrieben werden. Die Umdeutungsmöglichkeit von Religionen ist begrenzt, die Bezugspunkte Schrift und Kult sind festgelegt. Diese Homogenität hält eine Religion aufrecht, macht sie zum Anker in unserem Leben-und hat ihren Preis. Ich erinnere mich gut an eine Konferenz, bei der ein führender Vertreter der evangelischen Landeskirche über seine Biographie berichtete: Nach katholischer Taufe, Ministrantendienst folgte in den rebellischen Jahren der Kirchenaustritt, nach über 10 Jahren der Wiedereintritt, diesmal in eine neue Konfession. Dies alles ist heute innerhalb der christlichen Kirchen akzeptiert, und in 20 Jahren vielleicht auch zwischen den Weltreligionen. Was wird kommen, eine Entsäkularisierung der Hagia Sophia und die Einrichtung einer jeweils christlichen, muslimischen, jüdischen...Abteilung innerhalb des multireligiösen Gotteshauses? Selbst wenn diese Utopie wirklichkeit wäre, was wäre die Folge innerhalb der einzelnen Religionsgemeinschaften. Innerhalb meiner, der katholischen Kirche sicherlich eine Zerreißprobe, ein Erstarken der marianischen Bewegungen. Der Prozeß einer Liberalisierung der Kirche ist ebenso dialektisch zu betrachten wie der Prozess der Aufklärung. Ein nach vorne gedachter Schritt kann (Pessimisten und Historisten sagen muss) letztendlich zum Rückschritt werden. Das 2. VK ist ein gutes Beispiel dafür, daß eine kluge und maßvolle Öffnung gelingen kann. Die Restauration ins "Vorkonziliare" hat allen Unkenrufen zum Trotz nicht stattgefunden. Ich bin der tiefen Überzeugung, daß sich "Papst und Professor" Benedikt dieser Mechanismen sehr bewußt ist und im Herzen weltoffener ist,als er sich von den Medien präsentieren lässt.
ThomasB ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2009, 17:04   #2
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AW: Das Dilemma der Religionen

Für alle in und um Hildesheim/Hannover habe ich einen Terminhinweis:
Die Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann spricht am 20. Januar in der Uni Hildesheim. Hier der Link.
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Leben und leben lassen
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Alt 24.01.2009, 17:27   #3
aphilia - bachelor
 
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AW: Das Dilemma der Religionen

Zitat:
Zitat von ThomasB Beitrag anzeigen
Die Umdeutungsmöglichkeit von Religionen ist begrenzt, die Bezugspunkte Schrift und Kult sind festgelegt.
Fragt sich nur von wem? Vom Papst, den Schriftgelehrten oder dem gemeinen Volk, das ab und zu etwas ganz anderes glauben will als die Kirche von oben? Es steht jedem frei, sich was zusammenzuschustern a la Ranke-Heinemann. Ob er sie/sich damit eine Freude macht, naja.
Jochen Schneider ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.01.2009, 20:18   #4
aphilia - bachelor
 
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AW: Das Dilemma der Religionen

Bestes Beispiel für die Felexibilität der Religionen ist die Orthodoxie in Rußland. Das Moskauer Patriarchat hat sich dem Kreml bis zur Schmerzgrenze angenähert. Putin und sein Schattenmann Medwedjew konnten sich der Loyalität der Patriarchen sicher sein. (Übrigens sprach der kürzlich vertorbene Alexij II. ebenso gut Deutsch wie Putin. ) Die deutsche Interpretation zu dieser Entsäkularisierung fällt sehr vorsichtig aus, siehe Deutsche Welle. Gut, bei Nachrufen ist man mit Kritik zurückhaltender. Bin gespannt, ob Benedikt mit seinem Nachfolger redet, wahrscheinlich nicht, denn der Herr Kirill ist nur Übergangspatriarch. Die Ortodoxen lassen sich auch hier länger Zeit als die Katholiken
Jochen Schneider ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.01.2009, 12:54   #5
aphilia - bachelor
 
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AW: Das Dilemma der Religionen

Es kam gerade in den Nachrichten. Kirill zum neuen Patriarchen gewählt. Also doch keine Übergangslösung.
Jochen Schneider ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.02.2009, 14:11   #6
aphilia - prof
 
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AW: Das Dilemma der Religionen

Es ist schon fast wieder gut, dass es neben der römisch-Katholischen Kirche noch andere Richtungen gibt. Was Papst und Vatikan in den letzten Tagen von sich gegeben haben, ....Kommentar überflüssig, mit solchen Geschichtsverdrehungen setze ich mich prinzipiell nicht auseinander. Die Regensburger Rede war dagegen völlig harmlos.
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Alt 03.02.2009, 16:59   #7
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AW: Das Dilemma der Religionen

Der "kleine Arbeiter im Weinberg des Herrn" (Eigenwerbung) hat ordentlich geschlampt! Erst regt er sich zurecht über die Herrschaften in den Kathedralen des Kapitalismus auf, dann erwischt es ihn im eigenen Laden. Als Entschuldigung könnte noch gelten, dass er nicht gewusst hat was er unterschreibt. Das soll in den Bankvorständen auch schonmal vorkommen...

Ironie beiseite: Wo liegt das eigentliche Problem? Doch zuerst in der Größe einer Organisation, in verkrusteten Strukturen. Da muss frischer Wind rein. Johannes XXIII. hat die Fenster geöffnet, "Ecco", deswegen. Benedikt hat wenig Neues mitgebracht, seine Berater sind den Vorkonziliaren auf den Leim gegangen! Jetzt muss der Papst zugeben, dass er gefehlt hat. Ex Kathedra hat er nichts von sich gegeben, es geht wie bei den anderen Schäflein auch. Lieber Bene, geh in dich, erkenne deine Fehler. was anderes bleibt gar nicht übrig!

Mein Tipp: Erst wird alles augesessen, dann macht er irgendwo eine unerwartete Annäherung, diesmal an irgendeine halbwegs sympathische Randgruppe. Dieser Levebre-Laden wäre ohne Benedikts Kapriolen schon längst wieder vergessen gewesen.

Die Steinlaus
Steinlaus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.02.2009, 17:06   #8
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AW: Das Dilemma der Religionen

Zitat:
Zitat von Steinlaus Beitrag anzeigen
Erst regt er sich zurecht über die Herrschaften in den Kathedralen des Kapitalismus auf, dann erwischt es ihn im eigenen Laden.
Der Splitter im Auge des Bruders, aber der Balken im eigenen

(sinngemäß, bin nicht bibelfest)
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aphire ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.02.2009, 17:41   #9
aphilia - master
 
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AW: Das Dilemma der Religionen

Das ging schneller als es im Vatikan zu erwarten war:

Spiegel

Rückblickend muss es so gewesen sein:

Der Papst nimmt die Exkommunio eines Bischofs zurück. Das Rücknahmeverfahren steht dabei auf einem völlig anderen Blatt als die Holocaustleugnung- und nimmt seinen Weg über den L'Osservatore Romano bis in die kirchenfernen Medien a la Spiegel. Der Anbiederungsversuch nach rechts wäre unter normalen Umständen allenfalls für eine Randnotiz gut gewesen.
Anschließend gibt dieser Bischof Williamson das unsägliche Interview. Begierig nimmt die Presse diese Steilvorlage auf, der Skandal ist da, die Auflagen steigen, die Talkshows bekommen wieder ordentliche Quoten.
Nun tummlen sich die Kriktiker und ehemaligen WeggefährtInnen von Ranke-Heinemann (der Gustav dreht sich im Grabe um) bis Küng und stimmen in den Chor der "Kreuziget Ihn" - Rufer ein. Was beim Papstbesuch noch wunderbar funktioniert hatte, nämlich das perfekte Zusammenspiel mit den Medien, wird zum Bumerang.
Die ich rief, die Geister, Werd ich nun nicht los..

Die Steinlaus
Steinlaus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.02.2009, 18:03   #10
Lia
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AW: Das Dilemma der Religionen

Warum setzt er den Williamson auch noch als Bischof wieder ein? Soll er hin- und her exkommunizieren, wen stört das? Das Mittelalter ist vorbei.
Lia ist offline   Mit Zitat antworten
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Beatles, Holocaust, Papst, Regensburger Rede, Theologie, Weltreligionen

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