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#1 |
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aphilia - bachelor
Registriert seit: 24.06.2009
Beiträge: 7
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Anm. zu Luther 'sola scriptura'
Guten Tag,
ich möchte meine Anmerkungen zum reformatorischen Prinzip 'sola scriptura' zur Diskussion stellen. Martin Luther bezog sich nur auf das, was Augustin in seiner 'Doctrina Christiana' zugrunde gelegt hatte: Der Leser solle zuerst die ganze Schrift lesen und sich dabei ganz auf das erhellende Licht des Geistes verlassen. Die 'dunklen Stellen' seien mit Parallelstellen erklärbar. Diese gute patristische Tradition der 'sola scriptura' war zu Luthers Zeiten in Vergessenheit geraten. Die offizielle Kirche stützte sich auf eine Dreiheit von Tradition, Autorität des Lehramtes und allegorischer Auslegung im Sinne der Alexandriner. Zur Erläuterung: Die Allegorese geht davon aus, dass jede Aussage nur einen bestimmten Bereich der Wirklichkeit widerspiegelt und relativ, auf eine andere, größere bezogen werden muss. Die Allegorese spielt in allen Buchreligionen eine große Rolle. Im NT deuten die Evangelisten die Gleichnisse Jesu als Allegorie; aus theologischer Sicht zu unrecht, denn Jesu Gleichnisse haben im Grunde genommen wenig allegorische Züge an sich. Luthers Gebot, nach dem die Schrift 'sui ipsius interpres', ihr eigener Schlüssel sei, erscheint gerade in den Gleichnissen zustimmungswürdig. Das gegenreformatorische Konzil von Trient war deshalb sehr bedacht, die hermeutische Unzulänglichkeit der Schrift zu bekräftigen. Als Argument wurde angeführt, dass Schrift und amtskirchliche Tradition aus demselben Heiligen Geist entsprossen seien. Aber genau in diesem Rekurs auf die Tradition liegt das Problem der katholischen Kirche, denn sie müsste stets gewiss sein, dass der heilige Geist in jeder Phase der Tradition präsent war. Wie leicht haben es dagegen die Protestanten, geborgen im traditionsfreien Prinzip 'sola scriptura'. Ich wünsche ihnen allen einen segensreichen Tag, Martin Szepansky Pfarrer i.R. |
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#2 | |
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aphilia - master
Registriert seit: 14.02.2009
Beiträge: 69
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AW: Anm. zu Luther 'sola scriptura'
Zitat:
ich stelle die Frage "geborgen oder beschränkt" und beziehe mich dabei auf Thomas von Aquin (nach Hans-Georg Gadamer): "Das Wort ist wie ein Spiegel , in dem die Sache gesehen wird. Das Besondere dieses Spiegels aber ist, daß er nirgends über das Bild der Sache hinausgeht. In ihm spiegelt sich nichts als nur diese eine Sache, so daß er als Ganzes, das er ist, nur ihr Bild (similitudo) wiedergibt" Hans-Georg Gadamer: Wahrheit und Methode, Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik, 6. Auflage Tübingen 1990, S. 429 Gadamer hebt die perfekte Spiegelung als "großartig" hervor. Ich mich aber, ob die theologiesche Erkenntniskraft am "thomasischen Spiegel" enden darf. Grüße, Kanopus |
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#3 |
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aphilia - bachelor
Registriert seit: 24.06.2009
Beiträge: 7
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AW: Anm. zu Luther 'sola scriptura'
vielen Dank für die Antwort.
Nach der Lehrmeinung 'sola scriptura' lässt sich die Bibel als Wort Gottes nicht von außen beweisen, sondern eröffnet sich dem, der die Bibel liest und durch den Glauben annimmt. Aus Apk 19, 11.13 schließe ich, dass das Wort dem Menschen die Ungewissheit seines Daseins nicht abnehmen kann, aber er wird auf den richtigen Weg gestellt. Am Ziel dieses Weges, wenn der Glaube zum Schauen wird, offenbart sich die Treue Gottes zu seinem Wort. Martin Szepansky |
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#4 |
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aphilia - master
Registriert seit: 26.04.2009
Ort: Thüringen
Beiträge: 70
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AW: Anm. zu Luther 'sola scriptura'
Steckt aber in dem protestantischen "Sola Scriptura" nicht auch eine gewisse Willkürlichkeit?
Die Frage ist doch: Was ist die Schrift? Es sieht so aus, als habe Luther (inklusive seiner Vordenker) dem Neuen Testament den Vorzug vor dem Alten Testament gegeben. Dazu kommt, daß die Luther-Bibel ganz bewußt Textstellen ausläßt, bzw. ihnen Bedeutungslosigkeit zuschreibt. Damit meine ich Luthers Rede von der "strohenen Epistel" im Bezug auf den Jakobus-Brief und das Weglassen der "apokryphen" Bücher des Alten Testaments. |
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#5 |
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aphilia - bachelor
Registriert seit: 24.06.2009
Beiträge: 7
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AW: Anm. zu Luther 'sola scriptura'
Guten Tag!
Der Jakobusbrief besteht zum Großteil aus einer Aneinanderreihung von Sprüchen und Mahnungen, die aus dem Judentum schöpfen um das christliche Leben und den christlichen Kult zu festigen: Von der Bewährung, von Glaube und Werken, Reichtum, Krankensalbung, Sündenbekenntnis und brüderliche Zurechtweisung. Bedeutungslos also keinesweg. Aber es ist sehr fraglich, warum Luther diesen Teil der "katholischen Briefe" ad acta legte. Der Jakobusbrief war an die Judenchristen in der Diaspora gerichtet, daher macht es wenig Sinn, ihn für diesen Akt der "Bibelredaktion" des Antisemitismus zu bezichtigen. Martin Szepansky |
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#6 |
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aphilia - master
Registriert seit: 26.04.2009
Ort: Thüringen
Beiträge: 70
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AW: Anm. zu Luther 'sola scriptura'
Luther ist nicht durch seine Ablehnung gegenüber dem Jakobus-Brief in den Ruf geraden, ein Antisemit zu sein.
Da haben sicher seine antisemitischen Abhandlungen einiges mehr dazu beigetragen. Viele Grüße, Brynhilda |
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#7 |
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aphilia - bachelor
Registriert seit: 24.06.2009
Beiträge: 7
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AW: Anm. zu Luther 'sola scriptura'
Guten Tag!
Luther war es nicht gelungen, die Juden für seine reformierte Kirche zu gewinnen. Das allein erachte ich als Wurzel des lutherischen Antisemitismus. Eigentlich müsste man 'Antijudaismus' schreiben, denn die 'Semiten' bezeichnen eine Volksgruppe, deren Stamm bis auf Abraham zurückführt werden kann. Das Semitische ist ebenso eine Sprachgruppe! Das Ostsemitische oder Akkadische wurde in Assyrien und Babylonien gesprochen, das Nordwestsemitische in Syrien und Palästina, das Südwestsemitische in Arabien und Äthiopien. Martin Szepansky |
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#8 | |
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aphilia - prof
Registriert seit: 03.02.2009
Beiträge: 141
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AW: Anm. zu Luther 'sola scriptura'
Zitat:
In "Daß Jesus Christus ein geborener Jude sei" verweist er auf den gemeinsamen Ursprung von Judentum und Christentum, in "Von den Juden und ihren Lügen" polemisierte er. Die Nazis haben sich auf die polemische Schrift gestützt, um den Holocaust theologisch zu rechtfertigen. Grüße von der Steinlaus |
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#9 |
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aphilia - master
Registriert seit: 26.04.2009
Ort: Thüringen
Beiträge: 70
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AW: Anm. zu Luther 'sola scriptura'
Luther war auch nur ein Kind seiner Zeit.
Damals standen Judenverfolgung und Hexenverbrennung auf der Tagesordnung. Man kann es keinem zum Vorwurf machen, dem Zeitgeist das Wort zu reden. |
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#10 |
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aphilia - bachelor
Registriert seit: 24.06.2009
Beiträge: 7
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AW: Anm. zu Luther 'sola scriptura'
Guten Tag!
Es wäre der Kirche damals und heute nicht gerecht. Als Zeuge nenne ich den verstorbenen Görlitzer Bischof Hans-Joachim Fränkel. Er entwickelte die Begründung der Menschenrechte aus der lutherischen Rechtfertigungslehre. Seine Texte durften nicht gedruckt werden, weshalb er sie wie im Mittelalter durch Abschriften verbreitete. Fränkel hat seinen Glauben unter jeder Diktatur aufrecht erhalten, denn in der Nazizeit wirkte er in der Bekennenden Kirche. Martin Szepansky |
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| Bibel, Holocaust, Juden, Kirche, Luther, Menschenrechte, Nationalsozialismus, Protestantisch |
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